Der Gießgang

Aus Stefan.Allerstorfer.at

Eine Lebensader für die Au

Inhaltsverzeichnis

Wasserbau im Dienste der Natur

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Jedes Handeln bedeutet Veränderung. Seit der Mensch auf dieser Welt ist, nützt er die natürlichen Ressourcen und gestaltet seine Umwelt. Lange Zeit tat er das ohne Wissen um die langfristigen Folgen. Die Wissenschaft hat uns heute in die Lage versetzt, die Konsequenzen unseres Umgangs mit der Natur zu erkennen.

Spätfolgen der Regulierung

Lange bevor das erste Kraftwerk entstand, war die Donau in ein neues Bett gezwängt worden: um 1870 wurde sie zur Abwehr verheerender Hochwässer reguliert, also begradigt. Die Folgen wurden erst viel später sichtbar: infolge der höheren Fließgeschwindigkeit und kleinerer Geschiebemengen gräbt sich der Strom immer tiefer in sein Bett ein, der Wasserspiegel der Donau sinkt immer stärker - und damit auch der Grundwasserspiegel in der Aulandschaft an der Donau.

Die Stockerauer Au ist mit einer Fläche von mehr als 10.000 ha das größte zusammenhängende Augebiet in Mitteleuropa. Die Selbseintiefung der Donau bewirkte, daß dieses Gebiet immer seltener überflutet wurde. Die Au war vom Aussterben bedroht.

Rettung durch Bewässerung

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Als das Kraftwerk Greifenstein geplant wurde, ergriff Donaukraft die Chance, dieses wertvolle Stück Natur zu retten. Mit einem eigens geschaffenen Bewässerungssystem, dem sogenannten Gießgang, gelang es, den Austrocknungsprozess zu stoppen und ein einzigartiges Biotop zu beleben.

Teich, Gräben und Altarme wurden teilweise vertieft und zu einem 40 Kilometer langen, von Altenwörth bis Korneuburg reichenden durchgehenden Wasserlauf verbunden. Dieses System machte es möglich, durch 25 Stauhaltungen den Grundwasserspiegel zu regulieren.

Gespeist wird der Gießgang laufend durch Grundwasser, Sickerwasser und natürliche Zubringer. Bei höheren Wasserständen der Donau strömt über eine Mulde im Donaudamm Wasser in die Au und sorgt damit für die notwendigen regelmäßigen Überflutungen. Das ist an rund 40 Tagen im Jahr der Fall.

Üppige Vegetation, Lebensraum für viele Tiere

Jeder Laie kann auf den ersten Blick erkennen, daß neues Leben in das Biotop Einzug gehalten hat. Bereits wenige Monate nach der Fertigstellung des Gießganges im Jahr 1984 bewirkte das Wasser in der Au eine üppige Vegetation. Die Donaukraft untersucht seit damals sehr intensiv Fauna und Flora in der Stockerauer Au. Ein Lebensraum, in dem nicht weniger als 297 von insgesamt 570 in Österreich vorkommenden Wirbeltierarten zu finden sind. 191 Vogel-, 7 Kriechtier-, 14 Lurch- und 41 Fischarten. Heute ist der Gießgang die Lebensader für die Au.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind die Grundlage für ständige Verbesserungsmaßnahmen, zum Beispiel beim Bau von Aufstiegshilfen, die es den Fischen ermöglichen, Stauhaltungen im Gießgang in Richtung stromauf zu überwinden.

Erkenntnisse für die Zukunft

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Regelmäßige Untersuchungen in den Bereichen Hydrologie, Biologie und Flußmorphologie dokumentieren die Erfolge des naturnahen Wasserbaues. Sie haben zu neuen Erkenntnissen geführt, die weit über den Wissensstand des Baujahres 1984 reichen. Auf der Basis wurde das Modell "Gießgang" weiterentwickelt und kann in verbesserter Form bei neuen Projekten zum Einsatz kommen.

Der Gießgang ist der Beweis: Ökologische Verantwortung, Wissenschaft und Technik machen es gemeinsam möglich, natürliche Ressourcen zu nutzen und gleichzeitig wertvolle Natur zu retten.

Galerie

Quellennachweis

DoKW AG

Österreichische Donaukraftwerke AG

1010 Wien, Parkring 12

Siehe auch